Unser Umfeld

Was gibt es Neues im CSR-Reporting? Wie wirken sich Me­ga­trends der Nach­hal­tig­keit auf Umwelt, Mensch und Wirt­schaft aus? Wie stellen sich die Un­ter­neh­men in Deutsch­land auf die Di­gi­ta­li­sie­rung ein? Diesen und andere Fragen wollen wir in unserem Themen-Umfeld für Sie nachgehen. Unsere Experten bringen Sie auf den neuesten Stand.

Völlig un­ver­bind­lich

EU-Kom­mis­si­on legt Leit­li­ni­en für die Be­richt­er­stat­tung über nicht­fi­nan­zi­el­le In­for­ma­tio­nen vor

Mit der Veröffent­li­chung ihrer „un­ver­bind­li­chen“ Leit­li­ni­en zur so genannten EU-Be­richts­pflicht kommt die Europäische Kom­mis­si­on ihrer Pflicht nach, den be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men eine Hil­fe­stel­lung bei der Be­richt­er­stat­tung ihrer nicht­fi­nan­zi­el­len In­for­ma­tio­nen zu geben. Ob diese Leit­li­ni­en al­ler­dings gerade Erst­be­richt­er­stat­ter an das gewünschte Ziel bringen, bleibt ab­zu­war­ten.

Um es kurz zu machen: Die Leit­li­ni­en der Kom­mis­si­on bringen nur wenig mehr Licht ins Dunkel als es die EU-Richt­li­nie selbst tat. Zwar gibt die Kom­mis­si­on an, bei der Er­ar­bei­tung dieser Leit­li­ni­en mehr oder weniger jedes der bekannten und bewährten Re­gel­wer­ke kon­sul­tiert zu haben, doch bleibt nach der Lektüre doch die Frage zurück, was man denn jetzt ganz konkret berichten soll.

Viel­leicht ist in diesem Zu­sam­men­hang die viel be­schwo­re­ne Fle­xi­bi­lität in der Be­richt­er­stat­tung eher kon­tra­pro­duk­tiv. So schreiben die Autoren: „Es wurde großen Wert darauf gelegt, un­dif­fe­ren­zier­te Einheitslösungen und eine allzu re­gle­men­tie­ren­de Methode zu vermeiden.“ Klare Regeln sehen anders aus. Zumal sich Be­richt­er­stat­ter nicht auf die Leit­li­ni­en der Kom­mis­si­on berufen können: „Weder die Ersteller nicht­fi­nan­zi­el­ler Erklärungen noch andere Parteien … sollten eine Übe­rein­stim­mung nicht­fi­nan­zi­el­ler Erklärungen mit den Vorgaben dieses Dokuments geltend machen.“

Ohne hier ins Detail zu gehen, lässt sich fest­hal­ten, dass vor allem auf das We­sent­lich­keits­prin­zip verwiesen wird und durch alle Kapitel hindurch Beispiele inklusive Leis­tungs­in­di­ka­to­ren il­lus­trie­ren, was Un­ter­neh­men berichten könnten. Zumindest ein grober Überblick lässt sich dabei gewinnen. Wichtig ist auch der Hinweis, dass sowohl positive wie negative Aspekte glei­cher­maßen zu berichten sind. Es wird außerdem auf den Grundsatz des „Comply or Explain“ verwiesen, wenn einmal we­sent­li­che Aspekte nicht mit Regeln und Prozessen hin­ter­legt sind. Schließlich sei noch erwähnt, dass die Kom­mis­si­on mehrfach auf die Möglichkeit verweist, „hoch­wer­ti­ge, allgemein an­er­kann­te“ Re­gel­wer­ke zu verwenden.

Als Experten mit jah­re­lan­ger Erfahrung in der Er­stel­lung von Nach­hal­tig­keits­be­rich­ten lautet unsere Emp­feh­lung: Wer sich noch nie ein­ge­hen­der mit der Thematik beschäftigt hat, der kann mithilfe der un­ver­bind­li­chen Leit­li­ni­en der EU-Kom­mis­si­on einen ersten Überblick gewinnen. Grundsätzlich bestätigt sich aber der Eindruck, dass man an den Re­gel­wer­ken der Global Reporting In­itia­ti­ve (GRI Standards) nicht vor­bei­kommt. Nirgendwo sonst wird der um­fang­rei­che The­men­kom­plex rund um die Nach­hal­tig­keits­be­richts­er­stat­tung so struk­tu­riert und praxisnah an den Anwender gebracht. Von dem – zugegeben ge­wal­ti­gen – Umfang der GRI Standards sollte man sich dabei nicht ver­un­si­chern lassen. Immerhin be­inhal­ten diese Werke alles, was man braucht, um in die Be­richt­er­stat­tungs­pra­xis ein­zu­tau­chen – anders als die Leit­li­ni­en der EU-Kom­mis­si­on.

Noch mehr Themen