Drei Fragen an Dirk Röhricht,
Managing Director FIRST RABBIT GmbH

Dirk Röhricht ist Gründer und Managing Director von FIRST RABBIT. Die Kölner sind Experten für Marketing, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Di­gi­ta­li­sie­rung.

Wem gehört die Zukunft: Print oder Online?

Das ist doch keine Entweder-oder-Frage. Heute müssen Sie alle Medien und alle Kanäle ziel­grup­pen­ge­nau be­herr­schen. Machen Sie das Beste für die Ziel­grup­pe, die sie adres­sie­ren – dann sind Sie sichtbar. Die reine In­for­ma­ti­on holt man sich im Internet. Das gedruckte Werk soll ein Erlebnis sein. Schauen Sie sich die Ge­schich­te von Cewe Color an: Aus dem größten Fotolabor ist der größte Produzent von Fotobüchern geworden, inklusive jährlich stei­gen­der Um­satz­zah­len. Da sind Print und Online keine Gegensätze, sondern ergänzen sich und pro­du­zie­ren Mehrwert. Das müssen Sie als Un­ter­neh­men auch erreichen, egal ob in der Finanz-, Nach­hal­tig­keits- oder Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on.

Stichwort nicht fi­nan­zi­el­ler Bericht: in­te­griert oder separat?

Ich weiß, dass dieses Thema in der Branche kon­tro­vers dis­ku­tiert wird. Die­je­ni­gen, die Fi­nanz­be­rich­te in­halt­lich beraten, empfehlen ihren Kunden natürlich eine in­te­grier­te Be­richt­er­stat­tung. Ich kann aus meiner Praxis al­ler­dings nur berichten, dass sich viele Un­ter­neh­men un­heim­lich schwer tun, beides zeit­gleich unter einen Hut zu bekommen. Da ist viel­leicht das CSR-RUG auch ein wenig an der Realität vor­bei­ge­schos­sen, denn anders als Fi­nanz­kenn­zah­len liegen z.B. viele En­er­gie­kenn­zah­len gar nicht bis zum 30.03. vor. Vom kom­mu­ni­ka­ti­ven Mehrwert ganz zu schweigen. Wer es ernst meint, hat ja mehr als fünf oder zehn Stich­wor­te zu berichten. Das führt dann zu Mam­mut­pu­bli­ka­tio­nen mit 300 oder noch mehr Seiten, die kein Mensch mehr lesen mag. Außerdem richten sich Nach­hal­tig­keits­the­men ja nicht allein an die Fi­nanz­com­mu­ni­ty – der in­te­grier­te Bericht setzt die Ein­tritts­schwel­le für andere Sta­ke­hol­der da nur unnötig hoch.

Was raten Sie also Ihren Kunden?

Kurz gesagt: Lassen Sie die Schrot­flin­te stecken und greifen Sie zum Skalpell. Sie benötigen zwar die Re­chen­schafts­ebe­ne, die nutzt Ihnen aber in der Kom­mu­ni­ka­ti­on oft wenig. Re­du­zie­ren Sie daher die Komplexität und machen Sie die wirklich wichtigen Storys sichtbar – Kurz­fas­sun­gen, Broschüren, Mi­cro­si­tes oder Steck­brie­fe eignen sich dafür. Nutzen Sie alle Kanäle ent­spre­chend ihrer Eignung und schaffen Sie Synergien durch die kluge In­te­gra­ti­on von Print und Online. Wenn Sie drucken, dann drücken Sie durch Material und Ver­ede­lung Wertschätzung aus. Nutzen Sie alle Möglich­kei­ten aus, um nach­hal­tig zu pro­du­zie­ren, wecken Sie durch Haptik und Ma­te­ria­lität Neugier. Vor allem: Finden Sie einen Partner auf der Agen­tur­sei­te, der diesen Weg von Anfang an mit Ihnen gemeinsam be­schrei­tet!