Völlig unverbindlich

15. August 2017 /

Autor:

A. Müller

EU-Kommission legt Leitlinien für die Berichterstattung über nichtfinanzielle Informationen vor

Mit der Veröffentlichung ihrer „unverbindlichen“ Leitlinien zur so genannten EU-Berichtspflicht kommt die Europäische Kommission ihrer Pflicht nach, den betroffenen Unternehmen eine Hilfestellung bei der Berichterstattung ihrer nichtfinanziellen Informationen zu geben. Ob diese Leitlinien allerdings gerade Erstberichterstatter an das gewünschte Ziel bringen, bleibt abzuwarten.

Um es kurz zu machen: Die Leitlinien der Kommission bringen nur wenig mehr Licht ins Dunkel als es die EU-Richtlinie selbst tat. Zwar gibt die Kommission an, bei der Erarbeitung dieser Leitlinien mehr oder weniger jedes der bekannten und bewährten Regelwerke konsultiert zu haben, doch bleibt nach der Lektüre doch die Frage zurück, was man denn jetzt ganz konkret berichten soll.

Vielleicht ist in diesem Zusammenhang die viel beschworene Flexibilität in der Berichterstattung eher kontraproduktiv. So schreiben die Autoren: „Es wurde großen Wert darauf gelegt, undifferenzierte Einheitslösungen und eine allzu reglementierende Methode zu vermeiden." Klare Regeln sehen anders aus. Zumal sich Berichterstatter nicht auf die Leitlinien der Kommission berufen können: „Weder die Ersteller nichtfinanzieller Erklärungen noch andere Parteien … sollten eine Übereinstimmung nichtfinanzieller Erklärungen mit den Vorgaben dieses Dokuments geltend machen.“

Ohne hier ins Detail zu gehen, lässt sich festhalten, dass vor allem auf das Wesentlichkeitsprinzip verwiesen wird und durch alle Kapitel hindurch Beispiele inklusive Leistungsindikatoren illustrieren, was Unternehmen berichten könnten. Zumindest ein grober Überblick lässt sich dabei gewinnen. Wichtig ist auch der Hinweis, dass sowohl positive wie negative Aspekte gleichermaßen zu berichten sind. Es wird außerdem auf den Grundsatz des „Comply or Explain“ verwiesen, wenn einmal wesentliche Aspekte nicht mit Regeln und Prozessen hinterlegt sind. Schließlich sei noch erwähnt, dass die Kommission mehrfach auf die Möglichkeit verweist, „hochwertige, allgemein anerkannte“ Regelwerke zu verwenden.

Als Experten mit jahrelanger Erfahrung in der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten lautet unsere Empfehlung: Wer sich noch nie eingehender mit der Thematik beschäftigt hat, der kann mithilfe der unverbindlichen Leitlinien der EU-Kommission einen ersten Überblick gewinnen. Grundsätzlich bestätigt sich aber der Eindruck, dass man an den Regelwerken der Global Reporting Initiative nicht vorbeikommt. Nirgendwo sonst wird der umfangreiche Themenkomplex rund um die Nachhaltigkeitsberichtserstattung so strukturiert und praxisnah an den Anwender gebracht. Von dem – zugegeben gewaltigen – Umfang der GRI Standards oder GRI G4-Leitlinien sollte man sich dabei nicht verunsichern lassen. Immerhin beinhalten diese Werke alles, was man braucht, um in die Berichterstattungspraxis einzutauchen – anders als die Leitlinien der EU-Kommission.

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